Die kritische Extremitätenischämie (CLI) stellt das fortgeschrittenste Stadium der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit dar und erfordert eine schnelle und präzise Diagnostik. Eine frühzeitige Beurteilung der Gewebedurchblutung ist entscheidend, um schwerwiegende Komplikationen wie nicht heilende Wunden oder Amputationen zu vermeiden.
Der Knöchel-Arm-Index (ABI) ist ein etabliertes Verfahren in der Gefäßdiagnostik, weist jedoch insbesondere bei bestimmten Patientengruppen Einschränkungen auf.
Warum der ABI nicht immer ausreicht
Der ABI vergleicht den Blutdruck am Knöchel mit dem am Arm und dient zur Erkennung arterieller Durchblutungsstörungen. Allerdings können die Messergebnisse bei bestimmten Patient:innen verfälscht sein.
Bei Mediasklerose – häufig bei Diabetes oder älteren Menschen – sind die Gefäße schlecht komprimierbar. Dies kann zu falsch hohen ABI-Werten führen und eine bestehende Ischämie verdecken.
Was sind Zehendruck und TBI?
Die Zehendruckmessung erfasst den Blutdruck auf Höhe der Zehen und ermöglicht damit eine genauere Beurteilung der distalen Durchblutung. Da die kleinen Gefäße weniger von Verkalkung betroffen sind, ist diese Messung häufig zuverlässiger.
Der Toe-Brachial-Index (TBI) wird ähnlich wie der ABI berechnet:
TBI = Zehendruck / Armblutdruck
Dieser Parameter ermöglicht es, die Mikrozirkulation insbesondere bei Hochrisikopatient:innen genauer zu beurteilen.
Ein häufig verwendeter Grenzwert für den Toe-Brachial-Index (TBI) liegt bei < 0,7 und gilt allgemein als Hinweis auf eine periphere arterielle Durchblutungsstörung sowie eine eingeschränkte distale Perfusion.
Werte unterhalb dieses Grenzwertes sind insbesondere bei Patient:innen mit Diabetes oder Verdacht auf eine kritische Extremitätenischämie mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine klinisch relevante Ischämie verbunden. Die Berücksichtigung solcher Grenzwerte unterstützt eine genauere Diagnostik und Risikoeinschätzung.
Bedeutung bei kritischer Extremitätenischämie
Bei CLI ist die Beurteilung der Mikrozirkulation entscheidend. Zehendruck und TBI helfen dabei:
- Ischämien trotz normalem ABI zu erkennen
- das Wundheilungspotenzial einzuschätzen
- Therapieentscheidungen zu unterstützen
- Behandlungserfolge zu überwachen
Niedrige Zehendruckwerte sind stark mit einer verminderten Gewebedurchblutung sowie einem erhöhten Risiko für nicht heilende Wunden oder Amputationen assoziiert.
Klinische Relevanz
Die alleinige Betrachtung des ABI kann dazu führen, dass kritische Durchblutungsstörungen übersehen werden.
Die Kombination aus ABI, Zehendruck und TBI ermöglicht eine umfassendere Beurteilung der Gefäßsituation, insbesondere bei Risikopatient:innen.
Integrierte Gefäßdiagnostik
Eine ganzheitliche Gefäßdiagnostik umfasst sowohl die Beurteilung der großen Gefäße als auch der distalen Durchblutung.
Systeme wie AngE™ ABI+ ermöglichen eine strukturierte, nicht-invasive Messung von ABI, Zehendruck und TBI in einem integrierten Workflow.
Fazit
Zehendruck und TBI sind entscheidende Parameter zur Erkennung der kritischen Extremitätenischämie, insbesondere wenn der ABI allein nicht ausreicht.
Ihre Integration in die Routine-Diagnostik kann die Früherkennung verbessern und zu besseren Behandlungsergebnissen beitragen.
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Quellen
https://imiit.org/diagnostic-testing/abi-tbi-exam/
https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/cir.0000000000000470