In der Notfall- und Traumaversorgung ist Zeit ein entscheidender Faktor. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden – oft unter hohem Druck und mit begrenzten Informationen. Eine der zentralen Fragen in der vaskulären Traumatologie und rekonstruktiven Chirurgie ist dabei einfach – und doch entscheidend:
Ist der Blutfluss wiederhergestellt?
Während bildgebende Verfahren und klinische Erfahrung die Behandlung leiten, kann die Möglichkeit, die Durchblutung objektiv und in Echtzeit zu beurteilen, die Entscheidungsfindung erheblich verbessern.
Die Herausforderung in der Trauma- und Gefäßchirurgie
Bei traumatischen Gefäßverletzungen kann eine eingeschränkte Durchblutung zu schwerwiegenden Komplikationen führen, darunter Gewebeschäden, verzögerte Wundheilung oder sogar der Verlust einer Extremität.
Nach chirurgischen Eingriffen – wie einer Revaskularisierung – müssen Ärztinnen und Ärzte sicherstellen, dass die Durchblutung erfolgreich wiederhergestellt wurde.
Herkömmliche Methoden basieren dabei häufig auf:
- visueller Beurteilung
- Palpation von Pulsen
- indirekten klinischen Indikatoren
Diese Ansätze sind jedoch oft subjektiv und spiegeln insbesondere in distalen Regionen wie den Zehen nicht zuverlässig die Mikrozirkulation wider.
Echtzeit-Durchblutungsmessung am Point of Care
Moderne optische Messverfahren ermöglichen es, die Gewebedurchblutung direkt am Ort des Interesses zu beurteilen. Durch den Einsatz optischer Sensoren an den Zehen kann nicht nur das Vorhandensein von Blutfluss nachgewiesen werden, sondern auch der Perfusionsdruck bestimmt und Veränderungen unmittelbar nach einem Eingriff überwacht werden.
Klinischer Einblick: Vor und nach Revaskularisierung
Ein klinischer Fall verdeutlicht den Nutzen der Echtzeit-Durchblutungsmessung bei einem Patienten mit stark eingeschränkter pedaler Durchblutung infolge eines arteriellen Verschlusses.
Vor der Intervention zeigten Messungen auf Knöchelebene keine signifikanten Unterschiede zwischen den Seiten, was auf eine scheinbar erhaltene Makrozirkulation hindeuten konnte. Auf Zehenebene zeigte sich jedoch ein deutlich anderes Bild: Während links ein reduzierter Druck gemessen wurde, war im rechten Zeh keine Durchblutung nachweisbar.
Nach der Revaskularisierung konnte die Durchblutung im zuvor betroffenen Zeh eindeutig gemessen werden. Dies weist auf eine signifikante Verbesserung der Mikrozirkulation hin und bestätigt die erfolgreiche Wiederherstellung des Blutflusses.
Dieser Fall unterstreicht die Bedeutung, nicht nur den Blutfluss in großen Gefäßen zu beurteilen, sondern auch die distale Mikrozirkulation zu berücksichtigen. Die Echtzeitmessung am Point of Care liefert unmittelbares, objektives Feedback und unterstützt sowohl intraoperative als auch postoperative Entscheidungen.


Erweiterung des Anwendungsbereichs: Über pAVK und diabetischen Fuß hinaus
Gefäßdiagnostik wird häufig mit pAVK oder dem diabetischen Fußsyndrom in Verbindung gebracht. Ihre Bedeutung in der Traumaversorgung gewinnt jedoch zunehmend an Relevanz.
In Notaufnahmen und chirurgischen Settings kann eine schnelle und zuverlässige Beurteilung der Durchblutung:
- die Entscheidungsfindung in der Notaufnahme unterstützen
- die intraoperative Bewertung verbessern
- Unsicherheiten nach Eingriffen reduzieren
- die Behandlungsergebnisse verbessern
Integrierte Gefäßdiagnostik
Eine umfassende Gefäßdiagnostik – einschließlich der Beurteilung arterieller und mikrozirkulatorischer Durchblutung – kann mit integrierten Systemen wie AngE™ ABI+ durchgeführt werden.
Durch die Kombination oszillometrischer Messungen mit optischer Perfusionsmessung an der Zehe erhalten Anwender ein vollständigeres Bild des Gefäßstatus innerhalb eines einzigen Workflows.
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Fazit
In zeitkritischen Situationen sind objektive Informationen entscheidend.
Die Echtzeit-Durchblutungsmessung liefert unmittelbare Einblicke in den vaskulären Status und hilft, den Behandlungserfolg zu bestätigen sowie fundierte klinische Entscheidungen zu treffen.
Wenn jede Sekunde zählt, kann zuverlässige Diagnostik einen entscheidenden Unterschied machen.