Raynaud-Syndrom: Ursachen, Symptome und warum eine frühzeitige Abklärung wichtig ist

19. Juni 2026

Viele Menschen kennen kalte Hände im Winter. Wenn Finger jedoch plötzlich weiß, blau und anschließend rot werden, kann das auf das Raynaud-Syndrom hinweisen – eine Erkrankung, die die Durchblutung der Extremitäten beeinträchtigt.

In den meisten Fällen ist das Raynaud-Syndrom harmlos und gut kontrollierbar. Bei manchen Betroffenen kann es jedoch ein Hinweis auf eine zugrunde liegende Gefäß- oder Autoimmunerkrankung sein. Deshalb ist es wichtig, die Symptome zu kennen und zu wissen, wann eine weiterführende Abklärung sinnvoll ist.

Was ist das Raynaud-Syndrom?

Das Raynaud-Syndrom ist durch vorübergehende Verkrampfungen kleiner Blutgefäße gekennzeichnet, die meist Finger und Zehen betreffen. Diese Gefäßkrämpfe führen zu einer verminderten Durchblutung und werden häufig durch Kälte oder emotionalen Stress ausgelöst.

Während eines Anfalls zeigen die betroffenen Bereiche typischerweise eine charakteristische Farbveränderung:

  • Weiß: verminderte Durchblutung
  • Blau: Sauerstoffmangel im Gewebe
  • Rot: Rückkehr der Durchblutung

Die Episoden können wenige Minuten bis über eine Stunde andauern und gehen häufig mit Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder Schmerzen einher.

Primäres und sekundäres Raynaud-Syndrom

Grundsätzlich wird zwischen zwei Formen des Raynaud-Syndroms unterschieden.

Primäres Raynaud-Syndrom

Das primäre Raynaud-Syndrom tritt ohne zugrunde liegende Erkrankung auf. Es ist die häufigere Form und betrifft vor allem jüngere Menschen, insbesondere Frauen. Obwohl die Beschwerden unangenehm sein können, verläuft die Erkrankung in der Regel gutartig.

Sekundäres Raynaud-Syndrom

Das sekundäre Raynaud-Syndrom entsteht infolge einer anderen Erkrankung, häufig im Zusammenhang mit Autoimmun- oder Bindegewebserkrankungen.

Im Vergleich zur primären Form sind die Beschwerden oftmals stärker ausgeprägt und können zu Komplikationen führen. Daher ist es wichtig, mögliche Grunderkrankungen frühzeitig zu erkennen.

Typische Symptome

Das häufigste Symptom ist eine plötzliche Farbveränderung der Finger oder Zehen bei Kälte oder Stress.

Weitere Beschwerden können sein:

  • kalte Finger oder Zehen
  • Taubheitsgefühle
  • Kribbeln
  • Schmerzen beim Wiedererwärmen
  • erhöhte Kälteempfindlichkeit

Die charakteristische Weiß-Blau-Rot-Verfärbung gilt als eines der typischen Merkmale des Raynaud-Syndroms.

Wann sollte das Raynaud-Syndrom näher abgeklärt werden?

Obwohl viele Fälle harmlos sind, gibt es Situationen, in denen eine medizinische Abklärung empfohlen wird.

Dies gilt insbesondere, wenn:

  • die Beschwerden erstmals im höheren Lebensalter auftreten
  • die Anfälle häufiger oder stärker werden
  • nur eine Hand betroffen ist
  • Hautveränderungen oder Wunden entstehen
  • zusätzliche Symptome auf eine Autoimmunerkrankung hindeuten

Diese Anzeichen können auf ein sekundäres Raynaud-Syndrom hinweisen und sollten weiter untersucht werden.

Die Rolle der Gefäßdiagnostik

Obwohl das Raynaud-Syndrom häufig anhand der typischen Symptome und der Krankengeschichte erkannt werden kann, spielt die Gefäßdiagnostik insbesondere bei ausgeprägten, atypischen oder unklaren Beschwerden eine wichtige Rolle. Die objektive Beurteilung des Blutflusses hilft dabei, die periphere Durchblutung zu bewerten und andere Gefäßerkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können.

Darüber hinaus kann die Gefäßdiagnostik dazu beitragen, zwischen einem primären und einem sekundären Raynaud-Syndrom zu unterscheiden. In Kombination mit der klinischen Untersuchung und der Anamnese ermöglicht sie ein umfassenderes Verständnis der individuellen Situation und unterstützt eine fundierte diagnostische und therapeutische Entscheidungsfindung.

Der Kaltwassertest in der Diagnostik des Raynaud-Syndroms

Bei Verdacht auf ein Raynaud-Syndrom kann die Gefäßfunktion zusätzlich mithilfe eines Kälteprovokationstests untersucht werden. Dabei werden die Hände oder Füße der Patientin bzw. des Patienten für kurze Zeit in kaltes Wasser mit einer Temperatur von etwa 10–12 °C getaucht, um eine Gefäßreaktion ähnlich einer natürlichen Raynaud-Attacke auszulösen.Ziel des Tests ist es, die Reaktion der Blutgefäße auf Kältereize sowie die anschließende Erholung der Durchblutung zu beobachten. Für eine objektive Beurteilung wird der Test häufig mit einer Photoplethysmographie (PPG) kombiniert, die Pulswellen und Blutfluss vor sowie nach der Kälteprovokation erfasst.

Durch den Vergleich der Durchblutung im Ruhezustand und nach Kälteeinwirkung können zusätzliche Informationen über die Gefäßreaktivität und die periphere Durchblutung gewonnen werden. Diese funktionelle Untersuchung kann die diagnostische Abklärung von Patient mit Raynaud-Symptomen unterstützen und dabei helfen, das Ausmaß der vaskulären Beeinträchtigung besser einzuschätzen.

Warum eine frühzeitige Erkennung wichtig ist

Die meisten Menschen mit primärem Raynaud-Syndrom können ihre Beschwerden durch einfache Maßnahmen wie das Vermeiden von Kälte und das Tragen warmer Kleidung gut kontrollieren.

Beim sekundären Raynaud-Syndrom kann jedoch eine ernstere Grunderkrankung vorliegen. Eine frühzeitige Erkennung ermöglicht es, mögliche Ursachen gezielt abzuklären und rechtzeitig geeignete Behandlungsmaßnahmen einzuleiten, bevor Komplikationen auftreten.

Fazit

Das Raynaud-Syndrom ist eine häufige Erkrankung, die zu vorübergehenden Durchblutungsstörungen an Fingern und Zehen führt. Obwohl die Beschwerden häufig harmlos sind, sollten anhaltende oder ausgeprägte Symptome nicht ignoriert werden, da sie auf eine zugrunde liegende Gefäß- oder Autoimmunerkrankung hinweisen können.

Das Verständnis der Unterschiede zwischen primärem und sekundärem Raynaud-Syndrom sowie eine rechtzeitige diagnostische Abklärung können dazu beitragen, die Gefäßgesundheit langfristig zu erhalten und die Versorgung der Betroffenen zu verbessern.

 

Sources:
https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/detail/raynaud-syndrom-oft-harmlos-manchmal-gefaehrlich/
https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/herz-kreislauf/arterien/raynaud-syndrom.html
https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_100050186/raynaud-syndrom-welcher-test-zur-diagnose-beitraegt.html


Autor

Sophia Stangl

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Kategorien

Gefäßmedizin