Wie wird ein automatisierter ABI durchgeführt? Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

21. August 2026

Der Knöchel-Arm-Index (Ankle-Brachial Index, ABI) ist ein etabliertes, nicht-invasives Verfahren zur Beurteilung der arteriellen Durchblutung der unteren Extremitäten und unterstützt die Erkennung einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK).

Traditionell wird der ABI manuell mithilfe einer Blutdruckmanschette und eines Doppler-Ultraschallgeräts bestimmt. Der moderne oszillometrische Ansatz verwendet ein automatisiertes System, das Druckoszillationen an mehreren Extremitäten gleichzeitig erfasst. Dadurch wird eine standardisierte und effiziente Messung ermöglicht und ein direkter Vergleich zwischen der rechten und linken Seite unterstützt.

In diesem Guide erklären wir Schritt für Schritt, wie eine automatisierte oszillometrische ABI-Messung (oABI)durchgeführt wird und wie die Ergebnisse interpretiert werden.

Was ist ein oszillometrischer ABI?

Beim traditionellen ABI werden die systolischen Blutdrücke am Knöchel und am Arm miteinander verglichen.

Der oszillometrische ABI basiert auf einem anderen Messprinzip. Während der Druck in der Manschette verändert wird, erfasst das System die durch die pulsierenden Arterien entstehenden Druckoszillationen. Die maximale Oszillationsamplitude entspricht dabei dem mittleren arteriellen Druck (Mean Arterial Pressure, MAP).

Beim oszillometrischen Ansatz von SOT wird der oABI aus dem Verhältnis des mittleren arteriellen Drucks am Knöchel zum mittleren arteriellen Druck an der oberen Extremität bzw. am Handgelenk berechnet.

Das Prinzip:

oABI = Mittlerer arterieller Druck am Knöchel ÷ mittlerer arterieller Druck an Arm/Handgelenk

Damit unterscheidet sich der oszillometrische ABI vom konventionellen Doppler-ABI, bei dem systolische Druckwerte verwendet werden.

Warum einen automatisierten ABI verwenden?

Bei der traditionellen ABI-Messung müssen die einzelnen Extremitäten nacheinander mithilfe einer Manschette und eines Doppler-Ultraschalls untersucht werden.

Der oszillometrische Ansatz ermöglicht dagegen eine simultane Messung, bei der die Druckoszillationen der Extremitäten während derselben Untersuchung erfasst werden.

Dadurch bietet die automatisierte Messung mehrere praktische Vorteile:

  • Standardisierte Messung
  • Simultane Erfassung
  • Geringere Abhängigkeit vom Untersucher
  • Direkter Seitenvergleich
  • Automatische Berechnung
  • Digitale Dokumentation

Wie wird ein automatisierter ABI durchgeführt?

Die Messung lässt sich in wenigen einfachen Schritten durchführen.

Schritt 1 – Patient vorbereiten

Vor Beginn der Untersuchung sollte dem Patienten der Ablauf erklärt werden.

Der Patient sollte bequem sitzen bzw. entsprechend dem vorgesehenen Messprotokoll positioniert werden und während der Untersuchung entspannt bleiben.

Arme und Beine sollten bequem gelagert werden. Während der Messung sollte der Patient nicht sprechen und sich nicht bewegen, da Bewegungen die oszillometrischen Signale beeinflussen können.

Kleidung, die die Platzierung der Manschetten beeinträchtigen könnte, sollte entfernt oder entsprechend angepasst werden.

Eine standardisierte Patientenposition trägt zu reproduzierbaren Messergebnissen bei.

Schritt 2 – Manschetten positionieren

Für die automatisierte ABI-Messung werden vier Manschetten verwendet, um beide Seiten gleichzeitig zu untersuchen.

Die Manschetten werden positioniert an:

rechter oberer Extremität
linker oberer Extremität
rechter Knöchel
linker Knöchel

Je nach Messaufbau können die Manschetten der oberen Extremitäten alternativ auch an den Handgelenken angebracht werden.

Dadurch kann das System die Druckoszillationen an allen Messstellen gleichzeitig erfassen.

Messprinzip

Obere Extremitäten → Druckmessung

Knöchel → Druckmessung

Die ermittelten Werte werden anschließend für die Berechnung des oABI verwendet.

Schritt 3 – Automatisierte Messung starten

Nachdem alle Manschetten korrekt positioniert wurden, wird die automatisierte Messung gestartet.

Das System pumpt die Manschetten entsprechend dem definierten Messprotokoll auf und lässt den Druck anschließend kontrolliert ab.

Während sich der Manschettendruck verändert, erfasst das System die durch die arterielle Pulsation verursachten Druckoszillationen.

Die maximale Oszillationsamplitude wird zur Bestimmung des mittleren arteriellen Drucks (MAP) an den jeweiligen Messstellen verwendet.

Aus diesen Druckwerten wird anschließend der oszillometrische ABI berechnet.

Während der Messung sollte der Patient ruhig bleiben und nicht sprechen.

Schritt 4 – Ergebnisse überprüfen

Nach Abschluss der Messung werden die Ergebnisse für beide Seiten automatisch angezeigt.

Je nach System können unter anderem folgende Parameter betrachtet werden:

  • Mittlerer arterieller Druck (MAP)
  • oABI
  • Pulswellenamplitude und -morphologie
  • Seitenunterschiede
  • weitere vaskuläre Parameter

Durch die simultane Messung können die rechte und linke Seite direkt miteinander verglichen werden.

Unterschiede bei Druckwerten oder Pulswellencharakteristika können zusätzliche Informationen über die arterielle Durchblutung liefern.

Automatisierte ABI-Messung in der Praxis

Das Video zeigt die Durchführung einer automatisierten ABI-Messung mit AngE™ ABI+, einschließlich des Messaufbaus und des automatisierten Ablaufs.

Wie wird der ABI interpretiert?

Für die klinische Interpretation sollten die ABI-Werte immer gemeinsam mit den Beschwerden des Patienten, der Anamnese und weiteren klinischen Befunden betrachtet werden.

 

 Ein ABI von ≤ 0,90 gilt als abnormal und kann im entsprechenden klinischen Kontext auf eine pAVK hinweisen.

Ein Wert von > 1,40 weist auf nicht komprimierbare Arterien hin. In diesen Fällen kann der ABI die tatsächliche arterielle Perfusion möglicherweise nicht zuverlässig widerspiegeln.

Die Vascular Academy beschreibt für den oszillometrischen ABI einen Wert von ≤ 0,9 als Hinweis auf eine vaskuläre Erkrankung bzw. pAVK.

Was tun bei einem nicht eindeutigen Ergebnis?

Ein einzelner ABI-Wert liefert nicht immer ein vollständiges Bild der arteriellen Durchblutung.

Bei nicht komprimierbaren Arterien, beispielsweise infolge einer ausgeprägten medialen Arterienverkalkung, kann der am Knöchel gemessene Druck erhöht sein und dadurch schwer interpretierbar werden.

Je nach klinischer Situation können zusätzliche Parameter wie Zehendruck, TBI, Pulswellenanalyse oder eine Belastungsmessung die ABI-Untersuchung ergänzen.

Warum ist eine standardisierte Messung wichtig?

Die Qualität einer Gefäßuntersuchung hängt nicht nur vom Messsystem, sondern auch von konstanten Untersuchungsbedingungen ab.

Ein automatisierter oszillometrischer Ansatz kann dabei helfen, die Untersuchung zu standardisieren:

  • Mehrere Extremitäten werden gleichzeitig gemessen
  • Die Abhängigkeit vom Untersucher wird reduziert
  • Für beide Seiten wird dasselbe Messprotokoll verwendet
  • Der oABI wird automatisch berechnet
  • Ein direkter Seitenvergleich ist möglich

Zusätzlich zu den Druckwerten können die aufgezeichneten Pulswellen weitere Informationen über die arterielle Funktion liefern.

Automatisierter ABI mit AngE™ ABI+

AngE™ ABI+ ermöglicht eine automatisierte Gefäßuntersuchung auf Basis der oszillometrischen Vier-Manschetten-Messung.

Das System misst die Extremitäten simultan und berechnet den ABI automatisch. Zusätzlich können Pulswelleninformationen und weitere vaskuläre Parameter erfasst werden.

Je nach Konfiguration können unter anderem TBI, Zehendruck, PWI™, PWV und Venenfunktionstests in den diagnostischen Workflow integriert werden.

Dadurch kann die automatisierte ABI-Messung Bestandteil eines umfassenderen Gefäßscreenings sein.

Fazit

Die automatisierte oszillometrische ABI-Messung bietet einen schnellen, standardisierten und nicht-invasiven Ansatz zur Beurteilung der arteriellen Durchblutung.

Anstatt jede Extremität einzeln zu untersuchen, ermöglicht die Vier-Manschetten-Methode die simultane Erfassung der Druckoszillationen. Auf Basis des mittleren arteriellen Drucks (MAP) wird anschließend der oszillometrische ABI berechnet.

Durch die automatisierte Messung, den direkten Seitenvergleich und die digitale Dokumentation lässt sich der oABI effizient in das klinische Gefäßscreening integrieren.

Bei auffälligen oder nicht eindeutig interpretierbaren Ergebnissen können zusätzliche Parameter wie TBI und Zehendruck weitere Informationen über die periphere arterielle Perfusion liefern.

 

Quellen:


Autor

Sophia Stangl

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Gefäßmedizin