Zehendruck und TBI messen: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die zuverlässige Gefäßdiagnostik

2. Juli 2026

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) gehört zu den häufigsten Gefäßerkrankungen und kann unbehandelt zu chronischen Wunden, kritischer Extremitätenischämie und im schlimmsten Fall zu einer Amputation führen.

Der Knöchel-Arm-Index (ABI) ist die Standardmethode zur Früherkennung einer pAVK. Allerdings stößt er insbesondere bei Patient:innen mit Diabetes mellitus, chronischer Nierenerkrankung oder Mediasklerose an seine Grenzen. In diesen Fällen liefern Zehendruck und der Zehen-Brachial-Index (TBI) wichtige zusätzliche Informationen über die distale Durchblutung.

Dieser Beitrag erklärt, wie Zehendruck und TBI gemessen werden, wann die Untersuchung sinnvoll ist und warum standardisierte Messverfahren für eine zuverlässige Gefäßdiagnostik entscheidend sind.

Was sind Zehendruck und TBI?

Der Zehendruck beschreibt den systolischen Blutdruck, der an der Großzehe gemessen wird. Da die kleinen Arterien der Zehen deutlich seltener von Verkalkungen betroffen sind als die Knöchelarterien, gilt die Messung insbesondere bei Risikopatient:innen als zuverlässiger Indikator für die tatsächliche Durchblutung.

Der Zehen-Brachial-Index (TBI) setzt den systolischen Zehendruck ins Verhältnis zum systolischen Blutdruck am Oberarm und wird nach folgender Formel berechnet:

TBI = systolischer Zehendruck / systolischer Oberarmblutdruck

Ein TBI < 0,7 gilt allgemein als Hinweis auf eine periphere arterielle Verschlusskrankheit und sollte stets im Zusammenhang mit den klinischen Befunden beurteilt werden.

Wann sollte der Zehendruck gemessen werden?

Die Zehendruckmessung ist besonders sinnvoll, wenn der ABI nur eingeschränkt aussagekräftig ist. Dies betrifft unter anderem Patient:innen mit:

  • Diabetes mellitus
  • chronischer Nierenerkrankung
  • nicht komprimierbaren Arterien
  • chronischen Fußulzera
  • Verdacht auf eine kritische Extremitätenischämie (CLI)

Darüber hinaus wird die Messung häufig eingesetzt, um die Wundheilung einzuschätzen oder den Erfolg einer Revaskularisation zu beurteilen.

Schritt 1 – Vorbereitung des Patienten

Eine zuverlässige Messung beginnt mit der richtigen Vorbereitung.

Die Patientin oder der Patient sollte vor der Untersuchung etwa zehn Minuten in Rückenlage ruhen. Der Untersuchungsraum sollte angenehm warm sein, um eine kältebedingte Gefäßverengung zu vermeiden. Außerdem sollten Schmuck, enge Kleidung oder Kompressionsstrümpfe entfernt werden, um die Durchblutung nicht zu beeinflussen.

Schritt 2 – Oberarmblutdruck messen

Vor der Zehendruckmessung wird zunächst der systolische Blutdruck am Oberarm bestimmt.

Dieser Wert dient als Referenz für die spätere Berechnung des Toe-Brachial-Index und sollte nach standardisierten Messrichtlinien erhoben werden.

Schritt 3 – Zehendruck messen

Für die Messung wird eine kleine Blutdruckmanschette an der Basis der Großzehe angelegt. Zusätzlich wird ein optischer Photoplethysmographie-(PPG)-Sensor am Zeh befestigt, der die Pulswellen kontinuierlich erfasst.

Anschließend wird die Manschette aufgepumpt, bis der Blutfluss kurzzeitig unterbrochen ist. Beim langsamen Ablassen des Drucks wird der Zeitpunkt bestimmt, an dem die Pulswelle wieder erscheint. Dieser Druck entspricht dem systolischen Zehendruck.

Durch den Einsatz der Photoplethysmographie lässt sich die Durchblutung objektiv und reproduzierbar erfassen.

Schritt 4 – Berechnung des Toe-Brachial-Index

Nachdem sowohl der Oberarmblutdruck als auch der Zehendruck gemessen wurden, kann der Toe-Brachial-Index berechnet werden.

Die Interpretation des TBI erfolgt immer gemeinsam mit den klinischen Symptomen und weiteren diagnostischen Befunden. Dadurch lässt sich die distale Durchblutung deutlich besser beurteilen als mit dem ABI allein.

Warum standardisierte Messungen wichtig sind

Eine zuverlässige Zehendruckmessung setzt standardisierte Untersuchungsbedingungen voraus.

Raumtemperatur, Lagerung der Patientin oder des Patienten sowie die korrekte Positionierung der Sensoren können das Messergebnis beeinflussen. Ein strukturierter Untersuchungsablauf verbessert die Reproduzierbarkeit und unterstützt eine sichere klinische Entscheidungsfindung.

Integrierte Gefäßdiagnostik

Moderne Gefäßdiagnostiksysteme kombinieren oszillometrische Blutdruckmessung mit optischer Photoplethysmographie (PPG). Dadurch können ABI, Zehendruck und TBI innerhalb eines standardisierten Workflows objektiv und effizient bestimmt werden.

Systeme wie AngE™ ABI+ ermöglichen eine umfassende Beurteilung sowohl der Makrozirkulation als auch der distalen Perfusion und unterstützen damit eine strukturierte vaskuläre Diagnostik.

Fazit

Zehendruck und Toe-Brachial-Index sind wichtige Parameter zur Beurteilung der peripheren Durchblutung – insbesondere bei Patient:innen, bei denen der ABI allein nur eingeschränkt aussagekräftig ist.

Durch standardisierte Messverfahren und die Kombination objektiver Messwerte mit der klinischen Untersuchung können Durchblutungsstörungen frühzeitig erkannt, Therapieentscheidungen unterstützt und Behandlungsergebnisse zuverlässig überwacht werden.

Quellen:

https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/cir.0000000000000470

https://vascular-academy.com/


Autor

Sophia Stangl

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Kategorien

Gefäßmedizin