Wie wird ein Venösenfunktionstest durchgeführt: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

24. Juli 2026

Venenerkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Gefäßerkrankungen und beeinträchtigen die Lebensqualität vieler Menschen erheblich. Symptome wie schwere Beine, Schwellungen, Krampfadern, Hautveränderungen oder venöse Ulzera sind häufig die Folge einer chronischen Veneninsuffizienz (CVI).

Eine frühzeitige Beurteilung der Venenfunktion ist entscheidend, um einen venösen Reflux bereits im Anfangsstadium zu erkennen. Während der Duplex-Ultraschall als Goldstandard für die anatomische Diagnostik gilt, bietet die Photoplethysmographie (PPG) eine schnelle, nicht-invasive und kosteneffiziente Möglichkeit, die venöse Funktion im klinischen Alltag zu beurteilen.

In diesem Beitrag erfahren Sie Schritt für Schritt, wie ein Venösenfunktionstest mit PPG durchgeführt wird, worauf bei der Messung zu achten ist und wie die Ergebnisse interpretiert werden.

Was ist ein Venösenfunktionstest?

Ein Venösenfunktionstest bewertet, wie effizient das venöse Blut aus den unteren Extremitäten zum Herzen zurücktransportiert wird.

Im Gegensatz zum Duplex-Ultraschall, der die Venen anatomisch darstellt und den Blutfluss sichtbar macht, misst die Photoplethysmographie (PPG) funktionelle Veränderungen des Blutvolumens in der oberflächlichen Mikrozirkulation.

Nach der Aktivierung der Wadenmuskelpumpe durch wiederholte Fußbewegungen wird gemessen, wie schnell sich die oberflächlichen Venen wieder mit Blut füllen. Dieser Parameter wird als Venöse Wiederauffüllzeit (Venous Refill Time, VRT) bezeichnet.

Eine verkürzte Wiederauffüllzeit kann auf einen venösen Reflux infolge insuffizienter Venenklappen hinweisen.

Wann sollte ein Venösenfunktionstest durchgeführt werden?

Ein Venösenfunktionstest eignet sich insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit:

  • schweren oder müden Beinen
  • Schwellungen (Ödemen)
  • Krampfadern (Varikosis)
  • Hautveränderungen infolge venöser Erkrankungen
  • venösen Ulzera
  • Verdacht auf chronische Veneninsuffizienz
  • Verlaufskontrollen nach konservativer oder operativer Therapie

Als schnelles Screening-Verfahren unterstützt die PPG dabei zu entscheiden, ob weiterführende diagnostische Maßnahmen erforderlich sind.

Benötigte Ausstattung

Für die Durchführung des Tests werden benötigt:

  • PPG-Sensor
  • System zur Venenfunktionsmessung
  • Untersuchungsstuhl
  • ggf. Alkoholtupfer zur Hautreinigung
  • saubere und trockene Haut

Der Patient sollte während der gesamten Untersuchung bequem sitzen und beide Füße flach auf dem Boden aufstellen.

Schritt 1 – Patient vorbereiten

Erklären Sie dem Patienten zunächst den Ablauf der Untersuchung.

Der Patient sollte bequem sitzen, wobei Hüfte und Knie einen Winkel von etwa 110° bilden. Die Unterschenkel sind dabei leicht nach vorne gestreckt und beide Füße stehen flach auf dem Boden. Schuhe und Strümpfe werden ausgezogen, damit der Unterschenkel frei zugänglich ist.

Die Haut sollte sauber und trocken sein, um einen optimalen Kontakt des Sensors zu gewährleisten.

Eine standardisierte Patientenposition trägt wesentlich zu reproduzierbaren und zuverlässigen Messergebnissen bei.

Schritt 2 – PPG-Sensor korrekt platzieren

Die optischen PPG-Sensoren werden etwa 10 cm proximal des medialen Malleolus (Innenknöchels) angebracht.

Die korrekte Positionierung ist entscheidend, da sowohl die Sensorlage als auch die Hautbeschaffenheit die Signalqualität und das Messergebnis beeinflussen können.

Der Sensor sollte sicher auf der Haut haften, ohne zu starken Druck auszuüben.

Schritt 3 – Aktivierung der Wadenmuskelpumpe

Der Patient führt etwa zehn Fußbewegungen (Dorsalflexion) oder alternativ mehrere Fersenhebungen durch.

Durch diese Bewegungen wird die Wadenmuskelpumpe aktiviert und das venöse Blut aus den oberflächlichen Venen entleert.

Nach Abschluss der Bewegungen sollte der Patient die Beine ruhig halten.

Schritt 4 – Messung der Venösen Wiederauffüllzeit

Nach den Fußbewegungen zeichnet das PPG-System kontinuierlich die Wiederauffüllung der oberflächlichen Venen auf.

Die Software berechnet automatisch die Venöse Wiederauffüllzeit (VRT).

Während dieser Messphase sind keine weiteren Bewegungen erforderlich.

Die gesamte Untersuchung dauert in der Regel nur wenige Minuten.

Interpretation der Ergebnisse

Die Venöse Wiederauffüllzeit gibt Auskunft darüber, wie effektiv die Venenklappen den Rückfluss des Blutes verhindern.

Bei gesunden Venen erfolgt die Wiederauffüllung langsam, da intakte Venenklappen den Blutfluss in Richtung Herz aufrechterhalten.

Sind die Venenklappen geschädigt, fließt Blut zurück in die oberflächlichen Venen. Dadurch verkürzt sich die Wiederauffüllzeit deutlich.

Da Referenzwerte je nach Messsystem und Untersuchungsprotokoll variieren können, gilt grundsätzlich:

Eine verkürzte Venöse Wiederauffüllzeit spricht für eine eingeschränkte Venenfunktion und sollte im klinischen Gesamtkontext beurteilt werden.

Die Interpretation sollte immer gemeinsam mit der Anamnese, den Beschwerden sowie – falls erforderlich – den Ergebnissen einer Duplexsonographie erfolgen.

Wie unterscheidet man zwischen oberflächlicher und tiefer Veneninsuffizienz?

Eine Standardmessung mittels Photoplethysmographie liefert Informationen über die allgemeine Funktion des Venensystems, indem sie die Venöse Wiederauffüllzeit (Venous Refill Time, VRT) bestimmt. Sie zeigt jedoch zunächst nicht, ob ein venöser Reflux aus dem oberflächlichen oder dem tiefen Venensystem stammt.

Zur weiteren Differenzierung kann die Untersuchung mit einer Staumanschette (Tourniquet) wiederholt werden, die oberhalb oder unterhalb des Knies angelegt wird. Dadurch werden die oberflächlichen Venen vorübergehend komprimiert, während das tiefe Venensystem weiterhin durchgängig bleibt.

Die Messergebnisse lassen sich anschließend wie folgt interpretieren:

  • Verbessert sich die Wiederauffüllzeit, spricht dies für eine oberflächliche Veneninsuffizienz, da der Reflux hauptsächlich über die oberflächlichen Venen erfolgt.
  • Bleibt die Wiederauffüllzeit unverändert, deutet dies auf eine tiefe Veneninsuffizienz hin.
  • Verschlechtert sich die Wiederauffüllzeit, können die oberflächlichen Venen eine kompensierende Funktion für das tiefe Venensystem übernommen haben. In solchen Fällen sollte die Therapie sorgfältig geplant werden, da eine Behandlung der oberflächlichen Venen die venöse Drainage weiter beeinträchtigen könnte.

Diese zusätzliche Messung liefert wertvolle funktionelle Informationen und unterstützt die Wahl der geeigneten Therapie.

Häufige Fehler bei der Messung

Eine standardisierte Durchführung ist entscheidend für zuverlässige Ergebnisse.

Zu den häufigsten Fehlerquellen zählen:

  • falsche Positionierung des Sensors
  • unzureichender Hautkontakt
  • Bewegungen während der Messung
  • unvollständige Fußbewegungen
  • fehlendes Ruhighalten nach Aktivierung der Muskelpumpe

Durch ein standardisiertes Untersuchungsprotokoll lassen sich reproduzierbare und aussagekräftige Messergebnisse erzielen.

Warum eignet sich PPG für das Venenscreening?

Die Photoplethysmographie bietet zahlreiche Vorteile für die tägliche Gefäßdiagnostik:

  • kurze Untersuchungsdauer
  • nicht-invasiv und schmerzfrei
  • objektive Beurteilung der Venenfunktion
  • einfache Integration in den Praxisalltag
  • geeignet für Screening- und Verlaufsuntersuchungen
  • unterstützt die frühzeitige Erkennung einer chronischen Veneninsuffizienz

Obwohl der Duplex-Ultraschall für die anatomische Diagnostik unverzichtbar bleibt, liefert die PPG wertvolle funktionelle Informationen und ergänzt die umfassende Venendiagnostik sinnvoll.

Moderne Venenfunktionsdiagnostik

Moderne Gefäßdiagnostiksysteme kombinieren standardisierte Messprotokolle mit digitaler Dokumentation und ermöglichen dadurch eine schnelle, objektive und reproduzierbare Beurteilung der Venenfunktion.

Lösungen wie AngE™ ABI+ integrieren die Photoplethysmographie in einen standardisierten diagnostischen Workflow und ermöglichen eine effiziente Venenfunktionsmessung als Bestandteil einer umfassenden Gefäßdiagnostik.

Fazit

Die Messung der Venenfunktion mittels Photoplethysmographie ist ein schnelles, einfaches und zuverlässiges Verfahren zur Beurteilung einer venösen Insuffizienz.

Durch eine standardisierte Durchführung – von der Vorbereitung des Patienten über die korrekte Sensorplatzierung bis hin zur Interpretation der Venösen Wiederauffüllzeit – lassen sich reproduzierbare Ergebnisse erzielen, die die frühzeitige Diagnose und das Therapiemonitoring unterstützen.

Als Bestandteil einer umfassenden Gefäßdiagnostik liefert die PPG wertvolle funktionelle Informationen und ergänzt die klinische Untersuchung sowie die Duplexsonographie optimal.

 

Quelle:

https://vascular-academy.com/de/venoese-messverfahren/d-ppg-lrr-muskelpumpen-test-venoeser-reflux/


Autor

Sophia Stangl

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Gefäßmedizin